11. November 2025

Konsens oder Konsent

Konsens oder Konsent – tragfähige Entscheidungen treffen

„Sind alle dafür?“ – diesem Satz folgt meist angespannt Stille: haben wir es endlich geschafft und solange diskutiert, bis alle dafür sind? Oder ist Kollege/in X wie immer dagegen und hält alles auf?

In Teams gibt es einige unbeliebte Situationen und diese gehört definitiv dazu. Dabei kann man dies leicht ändern, wenn man die Frage ändert: aus „sind alle dafür“ (Konsens) wird „gibt es einen schwerwiegenden Einwand?“ (Konsent).

Opportunitätsmodell

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Vom Konsens zum Konsent – ein Perspektivwechsel

Es ändert sich dadurch mehr als nur der letzte Buchstabe, denn die Frage nach einem schwerwiegenden Einwand beinhaltet die Haltung, dass es nicht um mich und meine Befindlichkeiten geht, sondern um die Organisation und ihre Ziele. Ein schwerwiegender Einwand muss begründet werden damit, dass man Schaden befürchtet für die Organisation, wenn die diskutierte Lösung umgesetzt wird.

Solange es nur um eine Meinung geht („finde ich nicht so gut“), wird der Einwand nicht dazu führen, dass eine Idee oder Lösung für ein Problem nicht wenigstens getestet wird. Zum Konsent gehört daher immer eine begrenzte Haltbarkeit von Phasen für die Umsetzung. Eine Formulierung könnte also sein: „Wir setzen das neue Verfahren die nächsten drei Monate um und schauen, dann wieder, wie es läuft“.

Das heißt, man kalkuliert mit ein, dass eine Lösung nicht perfekt ist und für den Moment tragfähig erscheint, wenn es keinen schlüssigen Einwand gibt. Organisationen oder Teams kommen auf diesem Weg zu Entscheidungen, die von allen mitgetragen werden, weil sie gehört wurden. Daher eignet sich eine Konsent-Entscheidung immer dann besonders, wenn es darum geht, dass vom Ausgang viele Menschen im Team / der Organisation betroffen sind.

 

Was bedeutet „Konsent“ genau?

Der Konsent-Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet Zustimmung. Anders als der Konsens müssen hier nicht alle Beteiligten dafür sein, denn dies führt bei Themen mit gegenteiligen Positionen oft zu Kompromissen oder herausgezögerten Entscheidungen.

Um wirkliche Mitwirkung und Mitbestimmung in einer Organisation umzusetzen, ist es daher wichtig, dass Entscheidungsfindung lösungsorientiert stattfindet, mit dem Willen aller Beteiligten, die gemeinsame Arbeit besser zu machen. Jede/r kann Fragen, Ideen, Lösungen einbringen, für die eine Entscheidung benötigt wird und einen Konsent-Prozess anregen.

 

Die Rolle der Führung und klare Entscheidungsrahmen

Wichtig für die Führungskräfte ist es, zunächst den Befugnisrahmen abzustecken, worüber genau entschieden werden kann. So wird vermieden, dass Entscheidungen hinterher wieder einkassiert werden, weil sie nicht umsetzbar sind. Wenn Mitarbeitende dies mehrfach erleben, werden sie sich aus dem Beteiligungsprozess verabschieden.

 

Der Ablauf eines Konsent-Prozesses

Für eine Konsent-Entscheidung gibt es einen Rahmen für das Vorgehen, in dem zunächst das Anliegen möglichst konkret formuliert wird: „Wofür genau soll denn eine Lösung gefunden werden?“ Im Anschluss werden Informationen und Optionen zusammengetragen, um eine qualifizierte Auswahl zur Verfügung zu stellen. In mehreren moderierten Runden wird dann eine Lösung erarbeitet, die zur Entscheidung gestellt wird.

 

Empfehlung für Teams und Organisationen

Team und Organisationen, die den Konsent einführen möchten, sind gut beraten, sich hier mindestens einmal durch eine Moderation begleiten zu lassen, um das Verfahren sicher zu beherrschen. Ein verwässerter Konsent ist sonst auch nicht besser als ein verwässerter Konsens.